Welche unterschiedlichen SMA-Typen gibt es?
Die Spinale Muskelatrophie (SMA) wird traditionell in mehrere Typen eingeteilt. Diese Einteilung orientiert sich vor allem am Alter beim Auftreten der ersten Symptome und daran, welche motorischen Meilensteine erreicht werden, etwa selbstständig sitzen oder gehen. Dabei unterscheidet man klassischerweise die SMA-Typen 0 bis 4. Diese Typisierung hat sich über viele Jahre bewährt, weil sie den natürlichen Krankheitsverlauf gut beschreibt. 1
Mit der Einführung moderner Behandlungen, die direkt in den Krankheitsmechanismus eingreifen (krankheitsmodifizierende Therapien), hat sich die Situation jedoch verändert. Viele Patientinnen und Patienten erreichen heute motorische Fähigkeiten, die früher für ihren SMA-Typ ungewöhnlich gewesen wären. Außerdem führt das Neugeborenen-Screening dazu, dass manche Kinder bereits diagnostiziert werden, bevor überhaupt Symptome auftreten (präsymptomatisch). 2 Dadurch lässt sich der Krankheitsverlauf allein anhand der klassischen Typen nicht mehr zuverlässig beschreiben.
Die aktuelle S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der 5q-assoziierten Spinalen Muskelatrophie empfiehlt deshalb eine mehrdimensionale Klassifikation (s. Abb. 1). Sie kombiniert mehrere Informationen, um die Erkrankung genauer zu beschreiben. Dazu gehören: 1
- der historische SMA-Typ (also der klinische Typ zum Zeitpunkt des Symptombeginns, sofern dieser vor Therapiebeginn lag)
- die Anzahl der SMN2-Genkopien (ein genetischer Prognosefaktor, der den Schweregrad beeinflussen kann; je mehr Kopien des „Ersatzgens“ SMN2 vorhanden sind, desto mehr funktionales Protein kann gebildet werden)
- der aktuelle motorische Funktionsstatus
Der motorische Funktionsstatus beschreibt die momentane Bewegungsfähigkeit der Betroffenen und wird in drei Gruppen eingeteilt: 1
- Non-sitter – kann nicht selbstständig sitzen
- Sitter – kann selbstständig sitzen, aber nicht frei gehen
- Walker – kann selbstständig gehen
Durch diese Kombination aus klinischem Verlauf, genetischem Hintergrund und aktueller motorischer Funktion lässt sich die Situation von Menschen mit SMA heute deutlich präziser darstellen. Gerade im Zeitalter wirksamer Therapien ermöglicht diese Klassifikation eine realistischere Einschätzung des Krankheitsverlaufs sowie eine individuellere Behandlung und Betreuung.