Assistenz bei SMA

Denkst Du manchmal darüber nach, ob eine Unterstützung im Alltag für Dich sinnvoll sein könnte? Eine Assistenz kann genau das für Dich sein: Deine Hände bei tagtäglichen Aufgaben und Deine Begleitung für ein selbstständiges Leben mit Spinaler Muskelatrophie. Doch welche Assistenz ist die Richtige für Dich und was sind die nächsten Schritte? Außerdem gibts hilfreiche Tipps aus unserer Community.

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Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

Persönliche Assistenz kann Dich je nach Bedarf im Haushalt, bei Pflege, Freizeit, Ausbildung/Studium oder Arbeit unterstützen. Du legst fest, welche Aufgaben übernommen werden und ob Du Assistenzkräfte selbst anstellst (Arbeitgebermodell) oder über einen Dienstleister organisierst. Häufig wird Assistenz über das Persönliche Budget finanziert; der Einstieg führt meist über einen zuständigen Kostenträger oder eine Beratungsstelle. Weiter unten findest Du konkrete Hinweise zu Antrag, Stellenausschreibung, Einarbeitung und häufige Fragen.

01 Begleitung und Unterstützung

Warum brauche ich eine persönliche Assistenz?

Wenn Dir manche Situationen im Alltag zunehmend Schwierigkeiten bereiten, kann Assistenz Dich entlasten und Dich im Alltag begleiten. Wichtig ist: Ob, wann und wie viel Unterstützung Du in Anspruch nimmst, entscheidest Du selbst. Gleichzeitig hilft es, früh zu klären, welche Aufgaben Du abgeben möchtest und welche Organisationsform zu Dir passt. So kannst Du gezielt die nächsten Schritte planen, bevor Du nach passenden Assistenzkräften suchst.

02 Aufgabenfelder

Was bedeutet persönliche Assistenz konkret?

Viele wissen am Anfang nicht genau, was „Assistenz“ im Alltag heißt – und wo die Grenzen liegen. Persönliche Assistenz bedeutet, dass Dich eine Person (oder ein Team) bei Bedarf unterstützt – auch rund um die Uhr – und Du dabei die Abläufe mitbestimmst. Im Prinzip kann Assistenz überall dort für Dich sinnvoll sein, wo Dir „ausgeliehene Hände“ behilflich sein können. Dabei bist Du der Kopf des Ganzen und triffst klare Absprachen mit Deinen Assistenzkräften, damit alles genau nach Deinen Vorstellungen abläuft. Was Du im Rahmen von Assistenzleistungen genau in Anspruch nimmst, bestimmst Du selbst. 

Assistenz gibt Dir also die Chance, ein möglichst selbstständiges Leben zu führen und erleichtert Dir die Teilhabe am Leben. Und darauf hast Du laut Bundesteilhabegesetz ein Recht, wenn Du mit einer Beeinträchtigung lebst. 1

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Coach, Podcasterin, Rednerin und Buchautorin – all das gehört zu den vielseitigen Tätigkeiten von Anastasia Umrik, selbst SMA-Betroffene, die sich in ihrem ersten Buch intensiv und einfühlsam mit dem Thema Resilienz befasst hat.

 

Doch was bedeutet Assistenz für Anastasia? Wie bei Anastasia der Alltag mit SMA und persönlicher Assistenz aussieht, was sie von ihren Assistenzkräften erwartet und was sie als Arbeitgeberin zu bieten hat, erfährst Du auf ihrer ausführlich informierenden Job-Website!

03 Arten der Assistenz

Welche Assistenzformen gibt es – und welche passt zu meinem Alltag?

„Assistenz“ ist kein einheitliches Paket – je nach Lebensbereich kann etwas anderes gemeint sein. Hilfreich ist, die Assistenzform nach dem Bereich zu unterscheiden, in dem Du Unterstützung brauchst. So kannst Du Deinen Bedarf konkreter beschreiben – das macht Planung und Antragstellung leichter.

Assistentinnen oder Assistenten können Menschen – beispielsweise Menschen mit Spinaler Muskelatrophie – in verschiedenen Bereichen unterstützen, wie z. B.: 2

  • Haushaltsunterstützung: Hilfe z. B. beim Putzen, Wäschewaschen, Einkaufen oder Kochen
  • Pflege zu Hause: Unterstützung z. B. beim Duschen, Anziehen, Körperpflege oder Toilettengang
  • Freizeitassistenz: Begleitung z. B. bei Hobbys, Sport, Kulturveranstaltungen, Ausflügen oder Reisen
  • Arbeitsassistenz: Unterstützung bei der Durchführung von Arbeit, die ohne Assistenz nicht möglich wäre
  • Schul- und Studienassistenz: Unterstützung z. B. beim Erreichen von Klassenraum/Hörsaal oder bei Mitschriften
  • 24-Stunden-Assistenz: Unterstützung durch ein Assistenz-Team Tag und Nacht, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr
Soll ich Assistenzkräfte selbst anstellen oder über einen Dienstleister nutzen?

Beschäftigungsform

Du möchtest eine Assistenz – bist aber unsicher, ob Du die Organisation selbst stemmen kannst? Du kannst zwischen Arbeitgebermodell und Dienstleistermodell wählen – beide Wege haben Vor- und Nachteile. Wenn Du vorab klärst, wie viel Organisation Du übernehmen möchtest, vermeidest Du später Stress im Alltag.

Arbeitgebermodell: Du suchst Dir Deine Assistenzkräfte selbst aus und stellst sie an. Damit übernimmst Du auch Arbeitgeber-Pflichten: Stellenausschreibungen, Bewerbungsgespräche, Arbeitsverträge, ggf. Teamaufbau sowie Dienst- und Urlaubsplanung. Zusätzlich musst Du arbeits-, sozial- und steuerrechtliche Vorgaben beachten, Lohnabrechnungen erstellen, Löhne auszahlen und Nachweise für Kostenträger führen. 3

Dienstleistermodell: Wenn Du diese organisatorischen Aufgaben nicht selbst übernehmen möchtest, kann ein Pflegedienstleister (z. B. Assistenzdienst) vieles übernehmen – einschließlich gesetzlicher Pflichten und auf Wunsch auch die Kommunikation mit dem Kostenträger. Zudem gibt es eine Ansprechperson, falls etwas nicht nach Plan läuft. Auch hier bestimmst Du, welche Leistung wann, wo und von wem erbracht wird. 3

Beide Modelle können über das Persönliche Budget finanziert werden. 3

Wie beantrage ich eine Assistenz und wo starte ich konkret?

Erste Schritte und Beantragung

Der Einstieg wirkt oft unübersichtlich: Wo meldet man sich? Wer ist zuständig? Ein pragmatischer erster Schritt ist, Kontakt zu einem (zuständigen) Kostenträger aufzunehmen – je nach Bedarf können mehrere zuständig sein, die sich untereinander abstimmen. 4 Sobald der Kontakt steht, kannst Du Deinen Bedarf strukturieren und die Antragsvorbereitung gezielt angehen.

Mit einer chronischen Erkrankung wie SMA oder einer körperlichen Beeinträchtigung hast Du einen Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation und gleichberechtigten Teilhabe. Zu diesen Leistungen gehört auch das Persönliche Budget, mit dem Du Deine Assistenzkräfte finanzieren kannst. 5

Leichterer Alltag durch Assistenz?

Du denkst darüber nach, Dich von einer Assistenz in verschiedenen Bereichen Deines Lebens unterstützen zu lassen? Du fragst Dich, wie Du eine Assistenz beantragen kannst oder welche unterschiedlichen Möglichkeiten es gibt? Antworten auf diese Fragen und noch viele weitere findest Du in unserem SMA Kompakt. 

Was sollte in meiner Stellenausschreibung stehen?

Stellenausschreibung

Viele suchen „die richtige Person“, wissen aber nicht, wie sie das in einer Anzeige klar ausdrücken sollen. Es hilft eine Anzeige aufzusetzen, die Aufgaben, Rahmenbedingungen und Deine Erwartungen konkret macht. Je klarer die Anzeige, desto passender sind die Bewerbungen – und desto weniger Aufwand entsteht später.

Ist Dein Persönliches Budget bewilligt und hast Du Dich für das Arbeitgebermodell entschieden, kannst Du Assistenzkräfte suchen. Dabei ist interessant zu wissen: Es gibt keine spezielle Ausbildung, die eine Person als persönliche Assistenzkraft qualifiziert. Schaue im SMA Kompakt (s. oben) nach, welche Punkte Du in Deiner Stellenausschreibung berücksichtigen solltest, damit Du möglichst schnell Assistenzkräfte findest, die zu Dir und Deinen Vorstellungen passen.

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Hier kannst Du Deine Stellenausschreibung veröffentlichen

Manche nutzen Social Media, andere Websites wie assistenzjobonline.de, assistenzboerse.de oder assistenz.org. Wo Du die Stellenausschreibung auch schaltest: Schau, welcher Weg Dir am ehesten zusagt und wo die geeignetsten Bewerbungen eingehen – diesen Kanal solltest Du weiter nutzen.

Wie gelingt die Einarbeitung im Alltag?

Einarbeitung

Neue Assistenzkräfte sind da – aber im Alltag zeigt sich erst, ob es gut passt. Plane eine Einarbeitungsphase ein, in der ihr Abläufe, Kommunikation und Aufgaben klar abstimmt. Gute Einarbeitung schafft Sicherheit auf beiden Seiten und hilft, schnell ein eingespieltes Team zu werden.

04 Erfahrungsberichte

Tipps und Erfahrungen von unseren Faces of SMA

Christian und Petra teilen ihre Erfahrungen mit Assistenz – beide nehmen diese Leistung seit ihrer Volljährigkeit in Anspruch. Anwältin Anna gibt einen Einblick in rechtliche Aspekte rund um Assistenz.

Rechtsanwältin Anna Mehlmann und ihre Kanzlei Special Needs vertreten Menschen mit Behinderung

Rechtsbeistand

Anna ist nicht selbst von SMA betroffen oder auf Assistenz angewiesen, hat aber Zwillingsmädchen mit Schwerstbehinderung und kennt die Situation als pflegende Angehörige. Sie hat sich darauf spezialisiert, Menschen mit Behinderungen im Pflege- und Sozialrecht zu unterstützen. In ihrem Vortrag gibt sie einen Überblick über rechtliche Aspekte und ordnet wichtige Punkte verständlich ein. 

Christian ist dank dem Persönlichen Budget der Arbeitgeber seiner Assistenzkräfte

Tipps aus erster Hand

Christian ist 27 Jahre alt, hat SMA Typ II und berichtet von seinen Erfahrungen. Er erläutert Unterschiede zwischen Sachleistungen und Persönlichem Budget und welche Anforderungen ein Persönlichem Budget an Betroffene stellt. Außerdem berichtet er, wie er Assistenzkräfte auswählt, zeitlich organisiert und welche Tipps er im Arbeitgeberalltag hilfreich findet. 

„Wer ist Assistenz-kompatibel? Ich würde sagen jeder – man braucht nur ein gewisses soziales Feingefühl und darf keine Berührungsängste haben.” 

Christian

Lebt mit SMA Typ 2, studiert Sozialökonomie und wohnt in einer WG.

Petra ist Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma

Assistenzdienst mit Know-how

Petra nimmt selbst Assistenzleistungen in Anspruch und hat mit ihrem Mann den Assistenzdienst „Deine AssistenzWelt“ gegründet. Sie kennt beide Seiten und spricht über Unterschiede zwischen Dienstleister- und Arbeitgebermodell sowie über Schritte rund um die Beantragung.  

06 FAQ

Häufig gestellte Fragen

Für wen ist eine persönliche Assistenz geeignet?

Wenn Dir aufgrund einer Beeinträchtigung oder chronischen Erkrankung Dinge des Alltags schwerer fallen oder Du z. B. ausziehen möchtest, kann Assistenz ein selbstständiges Leben erleichtern bzw. ermöglichen. Ob Assistenz für Dich die richtige Entscheidung ist, liegt bei Dir. Du entscheidest, ob, wann, in welcher Form und in welchem Umfang Assistenz für Dich infrage kommt.

Welche Arten von Assistenzen gibt es?

Assistenz kann in verschiedenen Lebensbereichen eine Hilfe sein, z. B. Schule, Ausbildung/Studium und Arbeit. Auch Haushalt, Pflege, Freizeitgestaltung oder Reisen können Bereiche sein, in denen Assistenzkräfte unterstützen.

Wer übernimmt die Kosten?

Bei einer körperlichen Beeinträchtigung oder einer chronischen Erkrankung besteht Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation und gleichberechtigten Teilhabe. Diese Leistungen werden von unterschiedlichen Leistungsträgern gezahlt, z. B. von Krankenkassen, Pflegekassen, vom Integrationsamt oder der Bundesagentur für Arbeit. 2

Was bedeutet „Zielvereinbarung“?

Die Zielvereinbarung wird mit dem Leistungsträger bei Beantragung des Persönlichen Budgets abgeschlossen. Darin wird vereinbart, welche Ziele mit dem Persönlichen Budget erreicht werden sollen. In regelmäßigen Abständen wird sie vom Leistungsträger überprüft. 5

Dürfen Assistenzkräfte Aufgaben verweigern?

Zwischen Dir als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber und Deinen Assistenzkräften besteht ein schriftlicher Arbeitsvertrag, der Punkte wie z. B. den Aufgabenbereich klar festlegt.

Braucht man eine spezielle Genehmigung für nächtliche Assistenz?

Nein, die Arbeitszeiten bzw. Schichtmodelle werden im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten.

Gibt es die Möglichkeit, Urlaub mit Assistenz zu machen?

Ja. Falls Dein Team Dich nicht mehrere Tage begleiten kann, kannst Du eine Freizeit- bzw. Urlaubsassistenz einstellen, die auf diesen Aufgabenbereich spezialisiert ist.

Worin liegen die Unterschiede zwischen Arbeitgeber- und Dienstleistermodell?

Im Arbeitgebermodell wirst Du Arbeitgeberin oder Arbeitgeber und übernimmst Aufgaben von Stellenausschreibung bis Lohnabrechnung sowie weitere organisatorische (z. B. Dienstpläne erstellen) und rechtliche Pflichten (z. B. Sozialversicherungen). Im Dienstleistermodell übernimmt z. B. ein Assistenzdienst diese Aufgaben.

Was ist, wenn die Assistenzkraft ausfällt, z. B. im Falle einer Erkrankung?

In der Regel gibt es neben einem Dienstplan auch einen Notfallplan. SMA-Face Christian empfiehlt z. B. die Einplanung von sieben bis zehn Assistenzkräften pro 24-Stunden-Schicht – so ist sichergestellt, dass bei einem Ausfall kurzfristig eine andere Assistenzkraft als Ersatz einspringen kann.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf das Persönliche Budget?

Ja, in Deutschland gibt es einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget, wenn man leistungsberechtigt ist, d. h. Unterstützung und Hilfe benötigt werden. 3

Benötigt eine 24-Stunden-Assistenz ein eigenes Zimmer?

Ein eigenes Zimmer gehört zu den Grundvoraussetzungen bei einer 24-Stunden-Assistenz. Es muss möbliert sein, sich abschließen lassen und über ein Fenster verfügen, das Tageslicht hineinlässt sowie das Lüften ermöglicht. Ein Zugang zur Küche muss zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet sein. 6

Wie lange ist das bewilligte Persönliche Budget gültig?

Ist das Persönliche Budget bewilligt worden, um Assistenzleistungen zu finanzieren, wird in der Regel mindestens alle zwei Jahre geprüft (zu Beginn früher), ob sich Dein Bedarf geändert hat und ob deshalb Budget und Zielvereinbarung angepasst werden müssen. Bemerkst Du vorher, dass das Persönliche Budget nicht ausreicht, weil sich zum Beispiel Deine Situation geändert hat, kannst Du beim zuständigen Leistungsträger einen Antrag auf Erhöhung stellen.

Wie findet man Assistenzkräfte?

Möglich sind Stellenanzeigen z. B. auf Deinen eigenen Social-Media-Kanälen, bei Kleinanzeigen oder bei Vermittlungsseiten (assistenzboerse.deassistenzjobonline.de oder assistenz.org). Die REHADAT-Website listet Anbieter von Assistenzdienstleistungen auf.

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