Eltern und Beruf: Wie Du den Alltag mit einem SMA-Kind meisterst

Ein Kind mit SMA großzuziehen, erfordert oft echtes Organisationstalent – besonders wenn beide Elternteile berufstätig sind. Hier erfährst Du, welche gesetzlichen Stützen es gibt, wie Du finanzielle Spielräume schaffst und wo Du professionelle Hilfe findest, um den „Alltagswahnsinn“ zwischen Karriere und Pflege zu bewältigen.

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Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Pflege eines Kindes mit SMA kostet viel Zeit und macht es oft nötig, die eigene Arbeitszeit anzupassen. Damit Du nicht zwischen Beruf und Familie wählen musst, gibt es gesetzliche Regelungen wie die Familienpflegezeit, die Schutz und finanzielle Unterstützung bieten können. Zusätzlich helfen professionelle Assistenzleistungen und Beratungsstellen wie die EUTB® dabei, die Pflege auf mehrere Schultern zu verteilen und den Alltag besser zu organisieren. 

01 Finanziellen Hilfen

Welche finanziellen Hilfen unterstützen Dich in der Pflegezeit?

Die größte Sorge vieler Eltern ist der Verdienstausfall, wenn die Pflege des Kindes mehr Zeit beansprucht als gedacht. Als Lösung bieten das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) verschiedene Modelle, um die Arbeitszeit für bis zu 24 Monate zu reduzieren oder ganz auszusetzen. Das ist wichtig, weil Du während dieser Zeit einen besonderen Kündigungsschutz genießt und ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt (BAFzA) beantragen kannst, um Gehaltseinbußen abzufedern. So bleibt die finanzielle Basis Deiner Familie stabil, während Du die Zeit für die intensive Betreuung Deines Kindes hast. Viele Unterstützungsleistungen hängen vom Pflegegrad Deines Kindes ab. Er wird von der Pflegekasse festgestellt und entscheidet mit darüber, welche Hilfen und Entlastungsangebote Ihr nutzen könnt

02 Kinderkrankengeld

Wie hilft das Kinderkrankengeld bei kurzfristigen Engpässen?

Wenn Dein Kind akut erkrankt oder Termine in der Klinik anstehen, ist schnelles Handeln ohne bürokratische Hürden gefragt. Ein bewährter Weg ist hier der Anspruch auf Kinderkrankengeld, das Eltern bei unbezahlter Freistellung von der gesetzlichen Krankenkasse erhalten (meist 90 % des Nettogehalts). Das ist eine wertvolle Stütze, da diese Tage flexibel genommen werden können und sicherstellen, dass Du in Krisenmomenten ohne finanzielles Risiko für Dein Kind da sein kannst. Für Alleinerziehende sind die Kontingente an Tagen sogar verdoppelt, um die höhere Belastung auszugleichen.

03 Assistenz und Beratung?

Wo findest Du Entlastung durch Assistenz und Beratung?

Den Alltag zwischen Beruf und der intensiven Pflege eines Kindes mit SMA zu organisieren, erfordert oft mehr Kraft, als zwei Schultern allein tragen können. Eine wirksame Unterstützung ist hier der Einsatz von persönlichen Assistenzen, die im Rahmen eines Teilhabeplans beantragt werden können. Diese Fachkräfte übernehmen Aufgaben im Haushalt, bei der Freizeitgestaltung oder bei gesundheitlichen Aspekten. Sie schaffen Dir wichtige Freiräume, damit Du im Alltag wieder durchatmen kannst, während Dein Kind professionell begleitet wird. Unabhängige Beratungsstellen wie die EUTB® helfen Dir dabei, diese Leistungen individuell und rechtssicher zusammenzustellen. 

04 Bedürfnisse der Geschwister

Wie erhalten Geschwisterkinder die Aufmerksamkeit, die sie brauchen?

In einer Familie, in der sich vieles um die SMA dreht, kommen die Bedürfnisse der gesunden Geschwisterkinder oft unfreiwillig zu kurz. Eine wertvolle Hilfe sind hier staatliche Angebote wie der Familienunterstützende Dienst (FuD), der Familien mit Kindern mit Behinderungen gezielt entlastet. Das ist wichtig, damit Du als Elternteil eine Auszeit gewinnst, um Dich exklusiv Deinem gesunden Kind zu widmen, während die Pflege des betroffenen Kindes professionell übernommen wird.

Besondere Hilfen für Alleinerziehende 

Alleinerziehende Eltern

Alleinerziehende tragen die psychische und finanzielle Last oft allein, weshalb sie besonderen Schutz benötigen.

  • Finanzielle Sicherheit: Das Pflegegeld darf nicht auf den Unterhalt oder andere Hilfen angerechnet werden.
  • Zusatzleistungen: Es besteht Anspruch auf Zuschüsse für Pflegehilfsmittel sowie auf Übernahme von Rentenversicherungsbeiträgen durch die Pflegekasse.

Unterhaltsvorschuss: Sollte der andere Elternteil nicht zahlen, springt der Staat ein, um die Grundversorgung Deines Kindes zu sichern.

05 FAQ für Eltern

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Pflegezeit auch nehmen, wenn ich in einem kleinen Betrieb arbeite?

Bei Betrieben mit weniger als 15 Beschäftigten besteht kein gesetzlicher Rechtsanspruch, aber viele Arbeitgeber zeigen sich bei Menschen mit SMA kooperativ. Ein offenes Gespräch über individuelle Lösungen wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten ist hier oft der erste Schritt zum Erfolg.

Muss ich die Pflegezeit an einem Stück nehmen?

Grundsätzlich darf die Pflegezeit für dasselbe Kind nicht gestückelt werden. Sie muss nahtlos ineinander übergehen, wenn Du beispielsweise erst die sechsmonatige Pflegezeit und danach die Familienpflegezeit nutzen möchtest. Pflegezeit und Familienpflegezeit können kombiniert werden, aber innerhalb eines Modells nicht beliebig unterbrochen werden.

Zahlt die Pflegekasse meine Rentenbeiträge weiter?

Ja, sofern Du Dein Kind mindestens 14 Stunden pro Woche pflegst und Deine Erwerbstätigkeit nicht mehr als 30 Stunden pro Woche beträgt. Das sichert Deine eigene Altersvorsorge, während Du Dich um Dein Kind kümmerst. 

Was ist der Familienunterstützende Dienst (FuD)?

Der FuD ist eine großartige Lösung für eine Atempause. Er schickt geschulte Mitarbeiter zu Euch nach Hause, die Dein Kind betreuen, damit Du zum Beispiel Zeit exklusiv mit den Geschwisterkindern verbringen kannst.

Möchtest Du mehr über die Rechte Deines Kindes erfahren?

 In unserem Beitrag „Bin ich anders als andere Kinder? – Alles über Inklusion“ erfährst Du, wie die Schule und Freizeit barrierefrei gestaltet werden können. Zudem bietet unser Basis-Text „Was ist SMA?“ hilfreiche Erklärungen, die Du auch Lehrkräften oder Arbeitgebern an die Hand geben kannst.

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