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Persönliche Assistenz bei SMA – Für ein selbstständiges Leben

Denkst Du manchmal darüber nach, ob eine Unterstützung im Alltag für Dich sinnvoll sein könnte? Assistentinnen und Assistenten können genau das für Dich sein: Deine Hände bei tagtäglichen Aufgaben und Deine Begleitung für ein selbstständiges Leben. Doch welche Assistenz ist die richtige Form für Dich und was sind die nächsten Schritte, um eine eigene Assistenz zu bekommen?

Wenn Dir manche Situationen im Alltag zunehmend Schwierigkeiten bereiten, können Dir Assistentinnen oder Assistenten zur Hand gehen und Dich im Alltag begleiten, damit Du ein möglichst selbstständiges Leben führen kannst. Ob, wann und wieviel professionelle Unterstützung Du in Anspruch nehmen möchtest, entscheidest Du natürlich selbst. Ist die Entscheidung für eine persönliche Assistenz jedoch gefallen, ist es hilfreich sich zu informieren. Denn es gibt eine ganze Menge Dinge zu bedenken und zu organisieren, bevor Du Dich auf die Suche nach passenden Assistenzkräften machen kannst. 

Was bedeutet Assistenz?

Eine persönliche Assistenz kann für Dich ein möglichst selbstständiges Leben bedeuten – und gleichzeitig auch Deine Angehörigen entlasten, die Dir vielleicht im Alltag behilflich sind. Denn eine Assistenz unterstützt Dich bei Bedarf rund um die Uhr. Zu den Aufgaben einer Assistenz können die Dinge des alltäglichen Lebens gehören wie einkaufen, kochen, putzen oder Wäsche waschen. Assistenz kann aber auch Unterstützung bei der täglichen Körperpflege, beim Toilettengang, beim Ankleiden oder beim Ein- und Aussteigen in den Rollstuhl umfassen. Genau wie Hilfe und Begleitung bei Deinen Freizeitaktivitäten, bei Ausflügen und Reisen oder bei der Ausübung Deines Jobs bzw. im Studium oder in der Schule. Im Prinzip kann Assistenz überall dort für Dich sinnvoll sein, wo Dir „ausgeliehene Hände“ behilflich sein können. Dabei bist und bleibst natürlich Du der Kopf des Ganzen und triffst klare Absprachen mit Deinen Assistenzkräften, damit alles genau nach Deinen Vorstellungen abläuft. Was Du im Rahmen von Assistenzleistungen genau in Anspruch nimmst, bestimmst Du selbst. Denn als sogenannte Assistenznehmerin oder Assistenznehmer gibst Du Form und Umfang Deiner Assistenz vor. 

Knapp und sachlich zusammengefasst kann man es auch so formulieren: Persönliche Assistenz erleichtert bzw. ermöglicht Dir die Teilhabe am Leben. Und darauf hast Du laut Bundesteilhabegesetz ein Recht, wenn Du mit einer Beeinträchtigung lebst. 

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Was bedeutet Assistenz für … Anastasia Umrik?

Wie bei Anastasia der Alltag mit SMA und persönlicher Assistenz aussieht, was sie von ihren Assistenzkräften erwartet und was sie als Arbeitgeberin zu bieten hat, erfährst Du auf ihrer ausführlich informierenden Job-Website

Welche Formen von Assistenz gibt es?

Assistentinnen oder Assistenten unterstützen Menschen in verschiedenen Bereichen des Lebens und können vielfältige Aufgaben übernehmen. Dazu gehören: 

  • Haushaltsunterstützung: Hier erfolgt Hilfe z. B. beim Putzen, Wäsche waschen, Einkaufen oder Kochen
  • Pflege zu Hause: Unterstützt wird hierbei z. B. beim Duschen, Anziehen, bei der Körperpflege oder dem Toilettengang
  • Freizeitassistenz: Assistentinnen oder Assistenten begleiten z. B. beim Ausüben von Hobbys, beim Sport, bei Kulturveranstaltungen, Ausflügen oder Reisen
  • Arbeitsassistenz: Hierbei werden Menschen bei der Durchführung ihrer Arbeit unterstützt, die ohne Assistenz nicht möglich wäre
  • Schul- und Studienassistenz: Diese Assistenzform ermöglicht die Teilnahme am Schulunterricht oder an Vorlesungen, indem z. B. dabei unterstützt wird, den Klassenraum bzw. Hörsaal zu erreichen oder Mitschriften anzufertigen
  • 24-Stunden-Assistenz: Hier unterstützt ein Assistenz-Team Tag und Nacht, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr

Abb. 1: Formen der Assistenz

Du hast die Wahl: Arbeitgeber- oder Dienstleistermodell?

Du hast Dich dazu entschlossen, mit einer persönlichen Assistenz zusammenzuarbeiten? Dann kannst Du Dich entscheiden, ob Du nach dem Arbeitgeber- oder dem Dienstleistermodell vorgehen möchtest. Beim Arbeitgebermodell hast Du die Freiheit Deine Assistenzkräfte selbst auszusuchen und einzustellen. Damit übernimmst Du aber auch alle Pflichten einer Arbeitgeberin oder eines Arbeitgebers: Du verfasst u. a. Stellenausschreibungen, führst Bewerbungsgespräche, schließt Arbeitsverträge, stellst eventuell ein Team zusammen und kümmerst Dich um Dienst- und Urlaubspläne. Des Weiteren musst Du Dich an alle arbeits-, sozial- und steuerrechtlichen gesetzlichen Vorschriften halten, Lohnabrechnungen machen, Löhne auszahlen und Nachweise für die Kostenträger führen. 

Wer sich mit diesen ganzen organisatorischen Aufgaben nicht befassen möchte, kann das Dienstleistermodell als Alternative wählen. Hierbei sind die Assistenzkräfte nicht über Dich eingestellt, sondern über einen Pflegedienstleister, z. B. einen Assistenzdienst, der alles Organisatorische sowie die gesetzlichen Pflichten übernimmt – auf Wunsch auch die Kommunikation mit dem Kostenträger. Zudem hast Du eine Ansprechperson, falls mal etwas nicht ganz nach Plan laufen sollte. Auch im Dienstleistermodell bestimmst Du, welche Leistung wann, wo und von wem erbracht wird. Beide Modelle können durch das Persönliche Budget finanziert werden. 

Antrag & Co. – die ersten Schritte zur Assistenz

Mit einer chronischen Erkrankung oder einer körperlichen Beeinträchtigung hast Du einen Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation und gleichberechtigten Teilhabe. Zu diesen Leistungen gehört auch das Persönliche Budget, mit dem Du Deine Assistenzkräfte finanzieren kannst. Nimm dazu zunächst Kontakt mit dem bzw. mit einem der Kostenträger auf. Je nach Art der benötigten Assistenz können mehrere Kostenträger zuständig sein. Hier reicht es aus, wenn Du einen kontaktierst – die Kostenträger stimmen sich untereinander ab. Wenn Du den Kostenträger nicht selbst kontaktieren oder den Antrag nicht selbst stellen möchtest, gibt es Beratungsstellen, die Dir dabei weiterhelfen. Beispiele für solche Stellen findest Du weiter unten im Abschnitt „Wichtige Adressen und Anlaufstellen“. Ist der Kontakt zum Kostenträger hergestellt, kannst Du in der Checkliste hilfreiche Punkte für die Vorbereitung der Antragsstellung finden, damit Dein Persönliches Budget möglichst reibungslos bewilligt wird. 

Assistenz beantragen und suchen - aber wo fängt man eigentlich an?

Du hast Dich für einen Alltag mit Assistenz entschieden und fragst Dich, wie die nächsten Schritte aussehen? Du möchtest nicht „irgendwen“ einstellen, sondern suchst für Dich die richtige Person? Dann hast Du sicher auch einige Fragen. Unsere „How To Assistenz“-Checkliste gibt Dir hilfreiche Impulse und Tipps, die Dich dem Weg zur für Dich richtigen Assistenz unterstützen.

Zur Checkliste

Was ist Dir wichtig? Tipps für die Stellenausschreibung

Ist Dein Persönliches Budget bewilligt und hast Du Dich für das Arbeitgebermodell entschieden? Dann kannst Du auf die Suche nach Assistenzkräften gehen. Dabei ist interessant zu wissen: Es gibt keine spezielle Ausbildung, die eine Person als persönliche Assistenzkraft qualifiziert. Schau in der Checkliste nach, welche Punkte Du in Deiner Stellenausschreibung berücksichtigen solltest, damit Du möglichst schnell Assistenzkräfte findest, die optimal zu Dir und Deinen Vorstellungen passen. 

Info

Hier kannst Du Deine Stellenausschreibung veröffentlichen 

Manche nutzen ihre Social Media-Kanäle, andere nutzen Websites wie assistenzjobonline.de  oder assistenzboerse.de. Wo Du die Stellenausschreibung auch schaltest: Schau am besten, welcher Weg Dir am ehesten zusagt und wo die geeignetsten Bewerbungen eingehen. Diesen Kanal solltest Du weiter nutzen.  

Es geht los – die Einarbeitung

Hast Du neue Assistentinnen oder Assistenten eingestellt, beginnt die Phase des Einarbeitens, damit Ihr möglichst schnell ein eingespieltes Team werdet. Jetzt zeigt sich, ob Deine neue Assistenz tatsächlich die erforderlichen Fähigkeiten hat, Dich optimal zu unterstützen. In der Checkliste findest Du einige Fragen, die Du Dir stellen kannst, um die Einarbeitung gut beurteilen zu können.   

Wichtige Adressen und Anlaufstellen

Wenn Du unsicher bist oder Fragen hast, kannst Du Dich an eine Beratungsstelle wenden, die Dir bei der Antragstellung oder anderen organisatorischen Dingen hilft. Hier einige Anlaufstellen: